Arturas Valiauga

 

Geboren 1967 in Vilnius. Seit 1999 untersucht er in Fotoprojekten die Thematik der sozialen und nationalen Identität, hält ihre Veränderungsprozesse und Resultate fest und analysiert mit Hilfe des Bildes die Bedeutung des Begriffes „Zuhause“ im weitesten Sinne samt ihren Darstellungsformen. In den Fotoserien „Über das Land der Sehnsucht“ (2013), „Zwischen den Ufern“ (2008), „Der Hangar von Kupiškis“ (2008), „Zwischen der Geschichte und der Gegenwart: Die Karäer von Trakai und Daniliškės“ (2007), „Schweigsame Identität“ (2005–2006), „Ich war bei Stepas: wir haben über das Leben geredet“ (2002), „Aus dem Leben von Pfannkuchen und Borschtsch“ (2002), „Die Woche hat acht Tage“ (1999) beobachtet der Autor die Menschen und ihre Lebensumgebung. Seine Fotokamera identifiziert Zeichen der Identität und typologisiert sie in ihren Zwischenzuständen.

Eine sich wandelnde soziokulturelle Situation und das Sein der Figuren in ihr wurden in der letzten Zeit zum gemeinsamen Nenner der visuellen Untersuchungen des Autors.

 

Obwohl die Geschichte Litauens und die Erfahrung der Sowjetzeit die Anhaltspunkte aller Fotoserien und Projekte von A. Valiauga darstellen, ist sein Blick auf unsere Lebenswelt keineswegs nostalgisch. Er sucht nicht nach den Zeichen der Vergangenheit im gegenwärtigen Alltag. Im Gegenteil befasst sich A. Valiauga mit dem, was nicht erhalten geblieben ist, mit dem, was sich verändert hat und mit der Frage „warum“. Der Autor versucht in seinen Fotografien nicht, die Anzeichen der Gegenwart zu eliminieren oder unromantische, unedle, alltägliche, unbequeme Realitätsfragmente zu verschleiern. Litauische Identität ist für ihn im heutigen Kontext wichtig, also im Europa und in der Welt des 21. Jahrhunderts. Charakteristisch für A. Valiauga ist ein bewusster, offener, kritischer Blick auf die Gegenwart, die Beherrschung der Farben und des Zeitgefühls und die Veränderung von Form und Ausdruck der Fotografie im Hinblick auf das angestrebte Ziel des konkreten Themas.

 

Text: Eglė Deltuvaitė

 

 

 

2017 Beiderseits der Memel, zwischen Osten und Westen

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